Neue Bedeutungen schaffen für die Rollen von „Ehemann“ und „Ehefrau“

Post in: Englisch

Vor kurzem schrieben mir zwei junge Leute unter meinen Bekannten – eine ein ehemaliger Studentin, der andere ein Freund, eine in Deutschland und einer in den USA – über ihre jeweiligen kürzlichen Eheschließungen. Beide machten hierzu die gleiche Bemerkung: „es fühlt sich seltsam an, eine Ehefrau / ein Ehemann zu sein.“

Ich denke, das Gefühl des Unbehagens oder auch das Fehlen des Gefühls der perfekten Übereinstimmung des „Selbst“ mit der „Eherolle“ hat seine Ursache in einem unglücklichen und geschichtlich bedingten Bild von Ehemännern und Ehefrauen. Ben and Jerry’s stellt „Chubby Hubby“-Eiskram her und das stereotype Bild eines Ehemannes, zumindest in Deutschland und den Vereinigten Staaten, zeigt diesen mit einem Bauch, mit einem Bier auf der Couch, beim Anschauen eines Fußballspiels, draußen bei Hofarbeit oder hin und wieder bei der Autowäsche. Der stereotype Ehemann zieht am Tag vor Weihnachten durch die Läden, verloren und verwirrt auf der Suche nach einem Weihnachtsgeschenk für seine Frau. Das ist Material, das von Werbeagenturen und Komödianten regelmäßig ausgeschlachtet wird. Die stereotype Ehefrau nimmt zu, lässt sich die Haare kurz schneiden, zieht sich vernünftig an, kümmert sich mehr um ihre Kinder als um ihren Mann, und brüllt quer durchs Haus: „Liebling, könntest du bitte (den Wunsch hier eintragen).“ Man sieht sie beim Schieben eines Einkaufswagens, wie sie die Kinder in einem großen Auto zum Fußballtraining fährt. Sie dekoriert das Haus nach ihrem eigenen Geschmack und entscheidet, was die Familie isst und wann und wo. Werbetreibende und Komödianten lieben auch diese Bilder.
Welcher Mensch könnte sich mit dem Begriff „Ehemann“ bzw. „Ehefrau“ identifizieren, wenn dieser in der kulturellen Vorstellungswelt so beschrieben wird? Solche Rollen sind für so gut wie niemanden attraktiv. Wir brauchen Diversität im Verständnis der Identitäten von Ehemann und Ehefrau, oder wir müssen diese Begriffe aufgeben und neue schaffen, die nicht nur (oder aber auch gar nicht) die funktionalen Rollen der Ehe reflektieren, sondern die emotionale Bindung, mit der sich alle Menschen identifizieren möchten. Ich habe zum Beispiel mal gelesen, dass manche Frauen es lieben, von ihren Männern als „Braut“ bezeichnet zu werden. Andere Paare benutzen Begriffe wie „meine bessere Hälfte“ oder „der Mann, den ich geheiratet habe“.
Der Hauptgrund für das Unbehagen liegt im Unterschied zwischen der „Rolle“ – dem was die Gesellschaft vorschreibt – und der „Identität“ – das, was ein Mensch übernimmt und verinnerlicht. Es ist besser, sich nicht mit diesen beiden Rollen zu identifizieren, da sie Stereotype sind, sondern eine eigene Identität zu schaffen, die auf der Einzigartigkeit der Beziehung und der beiden darin verbundenen Personen beruht. Was bedeutet es für Sie, Ehefrau/Ehemann zu sein? Welche Bedeutung wünschen Sie sich? Wie möchten Sie diese Rolle leben, für sich selbst? Das ist der Rat, den ich meinen Freunden als Familiensoziologin geben würde.
Für weitere Informationen zum Thema empfehle ich die folgenden Bücher, wobei ich zugeben muss, dass ich überrascht war, wie sehr es an Büchern zum Thema „Die Bedeutung des Begriffs Ehemann“ fehlt. Vielleicht kommen diese mit der nächsten Generation von Gender- und Familienforschung!

Anne Kingston. „The Meaning of Wife“ (Picador 2004)
Stephanie Coontz. „Marriage: A History“ (Viking 2005)
Marilyn Yalom. „A History of the Wife“ (Perennial 2001)
Linda Waite and Maggie Gallagher. „The Case for Marriage“ (Broadway books 2000)

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