Ein neuer Gegenschlag? Wie man die Work-Family-Policies am besten verteidigen kann: Präsentation in Malmö, Schweden

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Familienfreundliche Politik und Strategien haben in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts und in den ersten Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts in öffentlichen und privaten Bereichen einen enormen Sprung vorwärts gemacht. Ziel im Großen und Ganzen ist es zu ermöglichen, dass bezahlte Arbeit, unbezahlte Arbeit, Familienpflege, Selbstpflege sowie Engagement in der Gemeinschaft alles Teile des normalen Erwachsenenlebensverlaufs sind, unabhänging von Gender oder Arbeitsfeld. Doch soweit sind wir noch nicht.
Die Ziele der Befürworter der Work-Life-Policy beinhalten eingeschränkte Arbeitszeiten (zum Beispiel Begrenzung des Gebrauchs moderner Technologie an Abenden und Wochenenden), Verbesserung von Qualität und Verfügbarkeit von Kinderbetreuung, bessere Übereinstimmungen von Schultagen und beruflichen Arbeitszeiten, Erhöhung der Möglichkeiten flexibler Arbeitsbedingungen sowohl in Bezug auf die Zeit als auch auf die Örtlichkeit, Verbesserung der Rückkehrmöglichkeit in den Beruf für Eltern nach einer Elternzeit (zu demselben Status, den sie vorher hatten), Förderung der Entscheidung von Vätern für eine Elternzeit, Teilzeitarbeit und flexible Arbeit, Stärkung des Bewusstseins von Managern für die Wichtigkeit von Arbeits- und Lebensinitiativen für das langfristige Geschäft und die soziale Situation, Erhöhung des Anteils von Frauen in Führungspositionen sowie Verbesserung der Möglichkeiten für Arbeitnehmer, Eltern zu werden und für alte und kranke Familienmitglieder zu sorgen.
Der Ausdruck „work-family backlash” ist benutzt worden, um die negativen Reaktionen zu beschreiben von Menschen, die nicht von den Work-Family-Vergünstigungen und ‑Regelungen profitieren und auf die vermeintlichen Nachteile reagieren, denen sie im Gegensatz zu ihren Kollegen, die diese Vergünstigungen in Anspruch nehmen, ihrer Meinung nach ausgesetzt sind (Young 1999; Parker und Allen 2001). Dieser klassische „Work-Family-Backlash“ wird von den Nutzern der Vergünstigungen empfunden, wie etwa Eltern, die einem sozialen Stigma durch Kollegen ausgesetzt sind, wenn sie Elternzeit beanspruchen oder den Arbeitsplatz aus familiären Gründen früher am Tag verlassen. Aber eine zweite Dimension dieses Work-Family-Backlash besteht darin, dass öffentliche Stimmen, Gesetzgeber, Politiker und Unternehmer die Work-Family-Strategien selbst zum Ziel ihrer Gegenschläge machen.
Ich befinde mich gerade auf der Konferenz „6th International Community, Work and Family Conference in Malmö, Schweden vom 19.-22. Mai 2015“, und habe hier einen Vortrag zu genau diesem Thema gehalten: wir, die wir im Bereich der Forschung zu Gemeinschaft, Arbeit und Familie arbeiten, müssen vielleicht unsere Augen offenhalten für einen neuen Rückschlag oder Widerstand gegen genau die Prinzipien, die uns am Herzen liegen. Die Präsentation dazu finden Sie hier: 2015-05-20 Work-Life Backlash-online

Ein aktuelles Beispiel kommt aus Deutschland, wo der Herausgeber des philosophischen Magazins „Hohe Luft“, Thomas Vašek, ein Buch mit dem Titel „Work-Life-Bullshit: Warum die Trennung von Arbeit und Leben in die Irre führt“ geschrieben hat. Obschon es in der Amazon-Bestseller-Liste auf Platz 62.833 steht, gibt schon alleine der Titel allen, die das Thema Work-Life-Balance skeptisch betrachten, Nahrung. Mehrere Zeitschriften haben darauf reagiert, viele Blogger haben dazu Stellung genommen (die meisten stimmten den Argumenten zu). Sein Titel schlägt vor, dass wir alle die Work-Life-Initiativen verwerfen und stattdessen die Ärmel hochkrempeln und uns an die Arbeit machen. Wie es aussieht, steht er damit nicht alleine; auch andere lehnen Work-Life-Strategien ab und sprechen offen darüber.
Vašek geht davon aus, dass Work-Life-Forscher und Strategieentwickler die Begrenzung von Arbeit befürworten, damit wir uns alle auf das „richtige Leben“ nach der Arbeit konzentrieren können. Er nimmt an, dass es bei Work-Life-Initiativen darum geht, uns von zu viel Arbeit wegzuholen, und dass diese Initiativen davon ausgehen, dass Arbeit schlecht ist. Vašek plädiert dafür, dass Arbeit gut und einträglich sein sollte, so dass wir es nicht nötig haben, vor ihr zu flüchten. Er behauptet, dass wir keine Work-Life-Balance brauchen, wenn wir unsere Arbeit lieben und sie gut machen.
Forscher und Entscheidungsträger im Bereich von Arbeit und Familie sind ebenfalls absolut der Meinung, dass bezahlte Arbeit von guter Qualität sein sollte. Aber wir sind nicht mit Vašeks Argument einverstanden, dass bezahlte Arbeit keine Grenzen kennen sollte. Im folgenden biete ich Forschern und Entscheidungsträgern einige Ideen, wie man erfolgreich die Bedeutung von Work-Life-Forschung und –Strategien vertreten kann, vor allem gegenüber jenen, die bislang nur einen flüchtigen ersten Eindruck von Work-Life-Initiativen gewonnen haben und die, aus welchen Gründen auch immer, das Konzept der Begrenzung der Reichweite bezahlter Arbeit ablehnen.

Im folgenden biete ich Forschern und Entscheidungsträgern einige Ideen, wie man erfolgreich die Bedeutung von Work-Life-Forschung und –Strategien vertreten kann, vor allem gegenüber jenen, die bislang nur einen flüchtigen ersten Eindruck von Work-Life-Initiativen gewonnen haben und die, aus welchen Gründen auch immer, das Konzept der Begrenzung der Reichweite bezahlter Arbeit ablehnen.

Die Hauptargumente und Schwächen der allgemeinen Work-Life-Backlash liegen in drei Dimensionen: (1) eine falsche Definition von Work-Life-Balance, (2) eine zu enge Definition der Work-Life-Situation und (3) Missverständnisse rund um die Bedeutung von Arbeit in verschiedensten nationalen, kulturellen oder geschlechtlichen Kontexten. In diesem Blog werde ich die beiden ersten Dimensionen behandeln.

Wie die „Backlash“-Rhetorik die Fakten über Work-Life missverstanden hat
Das erste Missverständnis in „Backlash“-Texten ist, dass Work-Life-Entscheidungsträger, ‑Forscher und -Anwender angeblich versuchen, Menschen vor „böser“ Arbeit zu schützen. Und die logische Konsequenz dieser Annahme ist, dass (a) falls Arbeit nicht böse, sondern sogar angenehm ist, keine Notwendigkeit besteht, von ihr wegzukommen, und (b) falls Arbeit böse IST, dass wir daran arbeiten sollten, die Arbeitsbedingungen zu verbessern statt die Arbeit an sich zu meiden.
Das Ziel von Work-Life-Balance und Work-Life-Integrationsbemühungen ist es, die ganze Person anzusprechen und nicht nur die berufstätige Person, nicht mit dem Hauptziel, die Menschen von ihrer Arbeit, die sie lieben, zu trennen. Menschen sind nicht Teile von Maschinen, und sie sollten auch nicht als solche behandelt werden – nicht durch Unternehmen, Bosse, sich selbst oder ihre eigenen Familienmitglieder. Jeder Work-Life-Forscher oder –Anwender würde dem Ziel der Verbesserung der Arbeitsbedingungen zustimmen. Manchmal kann diese Verbesserung am ehesten dadurch geschehen, dass man der Arbeit Grenzen setzt oder die Arbeit so verändert, dass sie ganzheitlicher ist und die ganze Person nährt. Die Arbeit von Stew Friedman zur Integration der verschiedenen Lebensbereiche, so dass zahlreiche Aspekte des Lebens innerhalb derselben Aktivität befriedigt werden, trägt eine Menge zur Diskussion über Work-Life-Initiativen bei (Friedman 2008). Insgesamt basiert ein Teil der generellen Gegenreaktion nur auf falschen Annahmen zu Work-Life und zu dem, um was es in Work-Life-Initiativen geht.

Wie der Backlash die Work-Life-Situation zu eng definiert
Bezahlte Arbeit – Erwerbsarbeit – erhält die meiste Aufmerksamkeit im Work-Life-Backlash. Aber es gibt auch andere Arten von Arbeit: unbezahlte Pflege, Familienpflege, ehrenamtliche Arbeit. Auch diese brauchen Aufmerksamkeit. Indem wir diese Bereiche aus der Diskussion über Work-Life ausklammern, verpassen wir die Gelegenheit, über die unvermeidbaren Nachteile von bezahlter Arbeit für die menschliche Psyche, die Gemeinschaft und die Familienbedürfnisse nachzudenken. Bezahlte Arbeit alleine ist nicht ausreichend, um uns mit allem, was wir als Individuen oder Gemeinschaften im Leben benötigen, zu versorgen.
Um den Fokus auf bezahlte Erwerbsarbeit und die Missachtung unbezahlter Pflegearbeit in dieser heutigen Diskussion, aber auch in der allgemeinen öffentlichen Auseinandersetzung zu verstehen, müssen wir die Archetypen verstehen, die vor einigen hundert Jahren in den westlichen Industrienationen entstanden. Diese Archetypen und ihre Funktionsweisen sind nötig, um zwei verschiedene Sichtweisen der Work-Life-Diskussion verstehen zu können.
Bei der einen dieser Sichtweisen geht es darum, ob Arbeit und „Leben“ getrennt oder innerhalb des Lebens eines Individuums integriert sein sollten. Und die zweite entscheidende Sichtweise geht um die Frage, ob Arbeit und „Leben“ innerhalb der Familie getrennt sein sollten bzw. sind, indem der Mann (zum Beispiel, im archetypischen Fall) für die „Arbeit“ zuständig ist und die Frau für das „Leben“. Die zweite, gegenderte Sichtweise beeinflusst die erste in starkem Maß. Sie macht die Arbeit des „Lebens“ unsichtbar. Sie besagt, dass die einzig wahre Arbeit bezahlte Arbeit ist und alles andere keine Arbeit ist. Es stimmt aber nicht, dass nur bezahlte Arbeit Arbeit ist und dass das dafür Bezahlt werden das Kriterium ist, nachdem Arbeit definiert ist. Die Dominanz des Berufstätigen und die zentrale Bedeutung der Erwerbsarbeit in den wachen Stunden jedes Menschen und in der zeitgenössischen öffentlichen Identität sind „nicht immer so gewesen“. Diese sind aus einer einzigartigen historischen Situation erwachsen.
Die industrielle Revolution hat viele Veränderungen im sozialen und wirtschaftlichen Leben in Gang gesetzt. Diejenige, die ich hier in diesem Zusammenhang beschreibe, betrifft die Trennung von Arbeit und Privatleben. Als Fabriken und Verwaltungsbüros entstanden und eine riesige Menge an Arbeitskräften verschlangen, entwickelten sie einen Bedarf an einer speziellen Art von Arbeiter: den „idealen Arbeiter/Arbeitnehmer“ (Williams 2000). Der „ideale Arbeitnehmer“ ist ständig verfügbar und nie „offline“, er ist seiner Firma treu ergeben, erbringt Höchstleistungen, ist zielstrebig und bereit umzuziehen oder viele Stunden und an Wochenenden zu arbeiten oder auf Urlaub zu verzichten. Um eine typische Einstellung eines Idealen Arbeiters wiederzugeben: „Urlaub? Was für ein Urlaub? ICH LIEBE MEINE ARBEIT. Ich möchte sie mitnehmen und alle Welt wissen lassen, dass ich mit Freuden rund um die Uhr arbeite, niemals offline! Das muss gemacht werden? Klar, mach ich! Sofort!”
Starke kulturelle Vorschriften in Bezug auf die richtige Art von Arbeit für Männer und Frauen entstanden in dieser Zeit und sind in den westlichen Industrieländern bis heute lebendig geblieben, gestützt von Phrasen und der Wissenschaft des 19. Jahrhunderts, die behauptete, dass Männer angeblich biologisch geeigneter seien für körperlich oder geistig anspruchsvolle Arbeit in Fabriken und Büros. Die Anforderungen der neu entstehenden Maschinen bestimmten die Anforderungen an den menschlichen Körper, nämlich die ständige Verfügbarkeit. Diese Art von Arbeiternehmer war zu der Zeit ein Mann, da dieser Arbeiter niemals einen Tag frei nahm, um etwas „anormales“ (sprich: unmännliches) zu tun wie ein Kind gebären. Der „Ideale Arbeitnehmer“ ist ein Archetypus.
Erwerbsarbeit ist nicht die einzige Art von Arbeit. Die Hygiene verlangt, dass Wohnungen, Geschirr, Körper und Kleidung gereinigt werden müssen. Die folgende Generation wird nicht selbstversorgend und wohlerzogen geboren. Unsere Biologie erfordert, dass wir täglich eine Vielzahl von Nahrungsmitteln beschaffen, zubereiten und verzehren. Wann soll diese unbezahlte Arbeit erfolgen? Wer wird diese unbezahlte Arbeit erledigen? Einige Unternehmen versuchen anscheinend, dieses Thema zu umgehen, indem sie ihre Mitarbeiter mit sauberer Kleidung, warmem Essen, Sportanlagen und Duschen direkt am Arbeitsplatz versorgen. Ist das wirklich eine dauerhafte Lösung für jeden Arbeitnehmer an jedwedem Arbeitsplatz? Wollen wir eine Generation ohne Kinder, eine bewegliche Menschenmasse, die zur Arbeit und wieder nachhause rollt, nur um zu schlafen und wieder aufzustehen, um alles wieder von vorne zu beginnen? Die Konzepte des „Social Freezing“ in der aktuellen Berichterstattung, bei dem Unternehmen anbieten, die Kosten für das Einfrieren der Eier ihrer weiblichen Arbeitnehmerinnen zu übernehmen, um ihre Mutterschaft auf eine spätere Zeit zu verschieben, bringt die Sache auf den Punkt: um es mit eigenen Worten zu sagen „es gibt keine Zeit für Fortpflanzungsaktivitäten, also frieren wir am besten alles Soziale, alles Reproduktive, Nahe, Liebende, Nährende ein, bis wir und der Arbeitsplatz Sie nicht mehr brauchen können.“
Diese Beispiele illustrieren, dass der Archetypus des idealen Arbeitnehmers sein Gegenstück hat. Der „Ideale Arbeitnehmer“ benötigt eine „unbezahlte Pflegekraft“ oder „ausgegrenzte Fürsorgekraft“ zuhause, die die übrigen Teile der Zivilisation managt (Englisch: „marginalized Caregiver“) (Williams 2000). Auch hier haben historische kulturelle Kräfte ein Konzept geschaffen, welches mit biologischen Argumenten unterfüttert wurde, die besagen, dass aufgrund der weiblichen Physiologie und ihrer vermeintlichen „natürlichen“ Neigungen, sich um andere und für andere zu sorgen, Frauen angeblich besser für die Rolle dieser unbezahlten Fürsorger geeignet sind. Das ganze System von Arbeit, Sozialpolitik, Steuerwesen und allgemeinen sozialen Normen in den meisten Industrienationen hängt von diesen Archetypen ab, dieser Kooperation zwischen dem idealen Arbeitnehmer und dem ausgegrenzten Fürsorger.
Die Ironie an der Sache ist, dass diese Typen voneinander abhängig sind und nicht für sich alleine existieren. Der ideale Arbeitnehmer kann nur in dieser extrem fokussierten, ergebenen Weise arbeiten, wenn eine fürsorgende Person – bezahlt oder unbezahlt – seine oder ihre Kleidung sauber hält, das Essen kocht und die Kinder erzieht. Der „Fürsorger“ wiederum kann seine Rolle nur erfüllen, wenn jemand anderes für den Unterhalt sorgt.
Wenn wir uns die Ansicht zu eigen machen, dass Work-Life-Konzepte – Verzeihung – “bullshit” sind, wie Vašek behauptet, dann ignorieren wir die widerstreitende Logik und die Anforderungen der Arbeit einerseits und dem Rest des „Lebens“ andererseits, und wir ignorieren die Tatsache, dass das eine – Arbeit im modernen Sinn – entstanden ist und sich entwickelt hat in Abhängigkeit von dem anderen – die moderne unsichtbare „Lebens“­unterhaltung und –sorge. Das sind Punkte, die Manager verstehen müssen, bevor sie den idealen Arbeitnehmer verherrlichen und belohnen oder herumlaufen und Work-Life-Themen als „Bullshit“ beklagen.
Die Funktionsweisen des modernen Arbeitsplatzes können nur dann weiter existieren, wenn wir getrennte Bereiche von Arbeit und Leben haben. Wir müssen diese Logik des modernen Arbeitsplatzes verändern. Darum geht es in den Initiativen zu Work-Life und Work-Life-Gemeinschaft. Es ist gefährlich für den modernen Arbeitnehmer, weiterhin die Bereiche zu trennen, da es dem Arbeitnehmer Zugang zu menschlichen Beziehungen und Identitäten außerhalb der Erwerbsarbeit verweigert. Und es hält Millionen von Menschen, zumeist Frauen, in Abhängigkeit vom Einkommen eines anderen Menschen, ausgeschlossen von finanzieller Unabhängigkeit, Identität und sozialem Ansehen, welches mit der Berufstätigkeit einhergeht, und setzt sie einem enormen Risiko der Altersarmut aus. Wir diskutieren Teile dieses Dilemmas im öffentlichen Diskurs, aber selten die Ursache. Und die Ursache ist die Trennung der Arbeit vom „Leben“, und hier die Trennung entlang der Genderlinie, sowie die Tatsache, dass unsere Institutionen, Gesetze, Regelungen und Normen diese Trennung unterstützen.
Die Work-Life-Diskussionen sind in den vergangenen Jahren entstanden, großenteils angetrieben durch die Präsenz von Frauen auf dem Arbeitsmarkt. Diese Frauen haben keinen „Fürsorger“ zuhause, daher sind sie mit voller Macht den doppelten Anforderungen sowohl des idealen Arbeitnehmers als auch des Fürsorgers am Rande ausgesetzt. Und es ist absolut unmöglich, aufgrund der Natur der Sache, beide Rollen optimal zu erfüllen. Sie sind einander diametral entgegengesetzt in ihren Erwartungen an Zeitaufwand, Loyalität und Ziele.
Frauen auf dem Arbeitsmarkt haben das Problem öffentlich gemacht, aber auch Männer können in großem Maße von Veränderungen in der Trennung von Arbeit und Leben profitieren. Der ideale Arbeitnehmer hat weniger Freiheiten, alternative Wege zu versuchen. Die Last der Verantwortung für den Lebensunterhalt wiegt schwer und der Preis für ein Versagen ist unglaublich hoch. Das Bemühen, 30-40 Jahre lang dem Bild des idealen Arbeitnehmers gerecht zu werden, fordert einen hohen Preis: in Bezug auf Beziehungen, Gesundheit, Kondition, Identität und persönliche Entwicklung.
Wenn qualitativ gute Erwerbsarbeit in den Händen weniger Menschen liegt, wird auf gesellschaftlicher Ebene die Chance vertan, gute Erwerbsarbeit mit anderen sozialen Gruppen zu teilen, die viel zu bieten haben, aber nicht ins allgemeine Schema passen. Als Folge hiervon erleben wir Jugendarbeitslosigkeit, chronische Arbeitslosigkeit für einige, Unterbeschäftigung für andere, erschwerten Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt für Eltern nach einer Familienphase. Darüber hinaus versagen wir uns auch die Chance, unbezahlte Arbeit zu teilen – die Erziehung der nächsten Generation, die Pflege der älteren und körperlich oder geistig behinderten Menschen, die Versorgung unseres Zuhauses, unserer Tiere, unserer Gärten, Nachbarschaftspflege und Pflege von Gemeinschaften. Ein Gleichgewicht innerhalb eines Lebens und innerhalb von Familie und Gesellschaft würde uns alle bereichern.

Aufgrund der viel diskutierten neuen Prioritäten der „Generation Y“ am einen Ende der beruflichen Karriere und den Bedürfnissen der Menschen, die sich auf der Schwelle zur Pensionierung befinden, werden Work-Life-Themen für eine wachsende Anzahl von Arbeitnehmergruppen bedeutsam. Wachsende Sorge über Gesundheit und Nachhaltigkeit kommt zu den viel erforschten und gut dokumentierten Bedürfnissen von Paaren, Familien und Individuen, die im Laufe der Zeit Arbeit und Nicht-Arbeit in einer Vielzahl von Weisen managen müssen, hinzu. Wichtige Punkte sind:
1) Die Arten von Arbeit (bezahlt, unbezahlt, ehrenamtlich) sind für das Verständnis von Work-Life-Balance wichtig.
2) Die Qualität der Arbeit ist wichtig: nicht alle Jobs sind – unbegrenzt ausgeübt – gut oder gesund.
3) Die öffentlichen Stimmen, die gegen Work-Life-Balance argumentieren, tragen vorgefertigte Ansichten über den „idealen Arbeitnehmer“ weiter und blenden die Rolle des „außenstehenden Fürsorgers“ aus, trotz der gegenseitigen Abhängigkeit dieser beiden Archetypen (Williams 2000).
4) Gesundheit und langfristige Produktivitäts- und Nachhaltigkeitsperspektiven fehlen in den Argumenten zur „Lobpreisung der Arbeit“.

Bitte ergänzen Sie weitere Punkte, um die Argumente für eine Work-Life-Policy zu stützen und somit den Menschen zu helfen, ihr Leben voll und gesund zu leben!

Conference: „6th International Community, Work and Family Conference: Malmö, Sweden 19-22 May 2015“
Präsentation der Konferenz: 2015-05-20 Work-Life Backlash-online
Zitierte Literatur

  • Becker, Tobias. (2013). Sachbuch „Work-Life-Bullshit“: Die Mär vom glücklichen Malocher. Speigel Online Kultur, October 9. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/das-buch-von-thomas-vasek-work-life-bullshit-a-926733.html. Last accessed 19. April 2015.
  • Friedman, Stew. (2008). Total Leadership: Be a better leader, have a richer life. Boston: Harvard Business Press.
  • Parker, L., & Allen, T. D. (2001). Work/family benefits: Variables related to employees‘ fairness perceptions. Journal of Vocational Behavior, 58, 453-468.
  • Vašek, Thomas. (2013). Work-Life-Bullshit. Warum die Trennung von Arbeit und Leben in die Irre führt. Munich: Riemann Verlag.
  • Williams, Joan. (2000). Unbending Gender: Why work and Family Conflict and What we Can Do About It. Oxford University Press.
  • Young, M. B. (1999). Work-family backlash: Begging the question, what’s fair? The ANNALS of the American Academy of Political and Social Science, 562, 32-46.

Weitere Quellen zum Thema Work-Life Backlash

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