Arbeit kann als ein Wirtschaftsgut angesehen werden

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Das dritte Kapitel in John Budds Buch „The Thought of Work“ behandelt das Konzept der Arbeit als Ware. Damit ist gemeint, dass Arbeit als Wirtschaftsgut auf dem Markt gehandelt wird. In manchen Ländern, zum Beispiel in Deutschland, ist dies historisch definiert als die Zeit, die der Arbeiter mit der Arbeit verbringt. In anderen Ländern, wie etwa Großbritannien, ist es definiert als der Mehrwert des produzierten Produkts (die Forschung von Richard Biernacki behandelt diesen Unterschied).
Je nachdem, wie dieses Wirtschaftsgut definiert ist, werden die Bemühungen, die Situation der Arbeiter zu verbessern, unterschiedlich sein. Falls es um die Zeit geht, dann sollte eine größere Arbeitszufriedenheit das Ziel sein. Falls es um die produzierte Ware geht, dann sollten bessere Löhne der Hauptfokus sein.
In beiden Fällen bedeutet Arbeit als Ware, dass sie unabhängig ist von Zuhause, Familie, Gemeinschaft oder Religion. Es ist etwa Abstraktes, außerhalb der Person Existierendes. Karl Marx beschreibt diese Eigenart der Arbeit als Wirtschaftsgut als den Teil der Entfremdung. Der Arbeiter bzw. die Arbeiterin verkauft seine bzw. ihre Arbeit an jemand anderen und damit ist dieser Teil seines/ihres Lebens verkauft – und gehört nicht länger dieser Person selber.
Da die Sichtweise der Arbeit als Wirtschaftsgut – wie Kohle aus der Erde oder Getreide vom Feld – die Hauptdefinition von Arbeit in der modernen ökonomischen Denkweise ist (und nicht Arbeit als zum Beispiel Quelle der Identität, Dienstleistung für andere oder auch Ursprung von Freiheit) und angenommen wird, dass die Löhne und der Tausch von Arbeit gegen Geld von den Kräften von Angebot und Nachfrage des Marktes beeinflusst werden, existiert ein – buchstäbliches – Element der Inhumanität in dieser Auffassung von Arbeit. Es ist nicht menschlich, es ist eine Abstraktion.
Vier Größen schreibt Marx der Entfremdung der Arbeiter von ihrer eigenen Arbeit zu: (1) Arbeiter besitzen das Produkt ihrer Arbeit nicht, sondern der Arbeitgeber. (2) Arbeiter haben kein Entscheidungsrecht darüber, WIE Dinge gemacht werden, also gehört das eigene Handeln der Arbeiter anderen und wird von anderen kontrolliert. (3) Arbeit sollte kreativ sein, und wenn die Menschen nicht bestimmen können, wann und wie und was sie machen, dann sind sie nicht kreativ. Also drücken sie diesen essentiellen Anteil des Menschseins nicht aus. (4) Zwischenmenschliche Beziehungen tauchen im Konzept der Arbeit als rationalisierte Größe nicht auf. Dabei sind Beziehungen unerlässlich. Indem Beziehungen nicht respektiert werden, werden Arbeiter von ihrer eigenen Arbeit entfremdet, von ihrer Kreativität, ihrem eigenen Leben und voneinander.
Ein anderer Aspekt der Arbeit als Wirtschaftsgut ist die Tatsache, dass jegliche Arbeit, die nicht Lohnarbeit ist, ignoriert wird. Jegliche Pflegearbeit oder Hausarbeit, die unbezahlt erfolgt, wird übersehen oder, im Extremen, herabgesetzt – oder gar als Ausdruck von Liebe und Zuneigung betrachtet anstatt als Arbeit.
Die akademische Betrachtung von Vorstellungen wie Arbeit als Wirtschaftsgut versetzt uns in die Lage, diese auseinander nehmen zu können, ihre Grundannahmen untersuchen und neue Lösungen entwickeln zu können, falls wir die schwachen Glieder in dieser Sichtweise entdecken. Neue Sichtweisen auf die Natur von Arbeit führen uns zu neuen Lösungen im Umgang mit Arbeit im menschlichen Leben, in Familien, Gemeinschaften und Identitäten.
Was für ein wunderbares Projekt für Soziologen!

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