Ein farbenfrohe Karriere schaffen – GRADE-Vortrag am 7. Mai 2014

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Was können Sie tun, um sicherzugehen, dass Ihree Karriere Ihrer Idealvorstellung entspricht? Es gibt keine Garantien oder präzise einzuhaltende Formeln, aber Sie können sich einige Fragen stellen, die Ihre Entscheidungen und Optionen auf dem Weg dorthin lenken können. Das war meine Botschaft an eine Gruppe von Absolventen und Absolventinnen beim GRADE Career Talk am 7. Mai 2014 im Bockenheimer GRADE-Konferenzraum mit Sicht auf die Skyline. Ein Regenbogen über der Stadt unterstrich den Vortrag und Fragen kamen bis weit nach 20:00 Uhr, gefolgt von informellen Fragen und Gesprächen darüber, wie man von hier – der Erfahrung als AbsolventIn – nach dort kommt, nämlich zu einer erfüllenden Berufskarriere, bei der man das tut, was man am liebsten tut. Ich bat die Gruppe zunächst, Antworten auf ein paar Fragen aufzuschreiben (Akademiker scheinen Kopf-Menschen zu sein, für die „gutes Denken“ zuerst auf dem Papier geschieht!).
Erstens: was ist heute Abend meine Frage? Jeden Tag gibt es eine Frage, ein Projekt, ein Thema, das uns beschäftigt. An diesem Abend hat irgendetwas die Anwesenden dazu bewegt, diesen wunderschönen Frühlingsabend in geschlossenen Räumen mit mir zu verbringen anstatt irgendwo anders auf dem Planeten. Was genau ist die Frage?
Zweitens: Was für eine Art Mensch möchte ich sein? Welches sind die Charakteristika meiner Persönlichkeit, meines Menschseins, die ich ganz besonders pflegen möchte? Eine damit zusammenhängende Frage: was für eine Art älterer Mensch möchte ich werden? Ich frage mich das selber häufig. Das beeinflusst meine Entscheidungen auf folgende Weise: wird dies (ein Gedanke, eine Handlung, Möglichkeit, Fähigkeit) mir helfen, eine interessante, anteilnehmende, lebendige, wissbegierige Person zu sein, wenn ich 80 bin? Werde ich eine Person sein, die von ehemaligen Studierenden gerne besucht wird? Werde ich ein Mensch sein, der gerne von den Abenteuern und Plänen dieser ehemaligen Studierenden zu hören bekommt? Ich habe hier „Studierende“ als Zielgruppe gewählt, da die Wahrscheinlichkeit, dass sie ehemalige Professorinnen und Professoren aufsuchen, nicht von Pflichtbewusstsein, wie etwa bei Familienbesuchen, sondern nur von Interesse abhängt. Bin ich interessant genug für sie, würden sie sich die Zeit nehmen vorbei zu schauen? „Meine“ Studierenden werden zwischen 25 und 75 Jahre alt sein, wenn ich 80 bin. Manche meiner ehemaligen Studierenden sind gerade mal 5 Jahre jünger als ich und andere werden Lehrveranstaltungen besucht haben, die ich am Alter von rund 70 Jahren gegeben habe. Das ist eine gute Populationsbandbreite und gibt uns somit eine Menge kreativer Möglichkeiten für Geschichten und Themen, über die wir uns unterhalten können. Körper und Geist aktiv zu halten ist eine gute Methode, um im Leben beweglich und aktiv zu bleiben. Und das wünsche ich mir für mich selber. Also was kann ich jetzt tun, um dafür zu sorgen, dass ich so ein Mensch bin, wenn ich 80 bin? Ich tue genau das: heute ist es eine Yogastunde, eine künstlerische Beschäftigung und Briefe an meine Freunde.
Drittens: Was für eine Art Leben möchte ich führen? Soll es viel Aufregung und wechselnde Szenerien beinhalten oder ein gewisses Maß an Stabilität? Tiefgründige, langfristige Beziehungen mit wenigen oder mit vielen? Viele Kontakte oder wenige? Ein starkes inneres Leben oder eher ein äußeres? Ländlich, städtisch? Tiere? Musik? Sport? Zeit, die “mir” gehört, streng getrennt von der Zeit, die meinem Chef “gehört”? Oder eine Vermischung und ein Verschwimmen der Grenzen zwischen meiner Zeit und den Verpflichtungen aus meiner Erwerbstätigkeit? Früher Ruhestand, so dass ich “etwas anderes” tun kann oder eine lebenslange Berufstätigkeit, die mich erfüllt, etwas, das ich auch ohne Bezahlung tun würde? Wie öffentlich und wie privat ist mein Leben? Aus wie vielen Phasen besteht es? Welche Phasen sind das ?
Eine vierte Frage: Welche Erfahrungen möchte ich machen? Manche nennen dies die “Bucket List”. Muss ich unbedingt eine bestimmte Zeit am Meer, in den Bergen, beim Bergsteigen, mit Kindererziehung, mit Kanufahrten zu den Flussquellgebieten, Übernachtungen in Iglus oder Eishotels verbringen? Möchte ich vor 1000 oder 1 Million Menschen im Fernsehen sprechen? Möchte ich etwas schreiben, das für die ganze Nachwelt im Druck festgehalten wird oder als Tweet um die Welt geht? Möchte ich dazu beitragen, Leid zu lindern? In welchem Maßstab? Denkweisen ändern? Frieden verbreiten? Wie? Welche Erfahrungen sind Anteil dieser Wünsche? Auf einer greifbareren Ebene können das Erlernen spezieller Fähigkeiten, das Fertigstellen eines bestimmten Projekts oder auch das persönliche Erleben von Kunst zu dieser Erfahrungskategorie gehören.
Schließlich stellte ich meiner Gruppe und mir selbst die Frage: Welchen Beitrag möchte ich leisten? Das kann ein berufsbezogener Beitrag sein, muss es aber nicht. Die Fragen hängen miteinander zusammen. Antworten hierauf werden gewisse Wiederholungen beinhalten. Erfahrungen und Mitwirkung, die Art des Lebens und der Person, werden ähnlich sein. Wenn eine Person hier die Antworten kennt oder sich aktiv mit den Fragen auseinandersetzt, wird sie es leichter finden, auf alltäglichere Fragen rund um bestimmte Jobs und Berufsentscheidungen antworten zu können. Weiter unten nenne ich Beispiele dieser Fragen. Ich möchte betonen, dass die Antworten auf diese Fragen während des ganzen Lebens weiterhin kommen und sich vertiefen und verändern werden! Das ist normal. Auf diese Weise wissen wir, dass wir leben und wachsen. Was wir meinten zu wollen, als wir 25 waren, kann ganz anders sein als das, was wir mit 45 wollen. In gewisser Weise hoffen wir sogar, dass es so ist – es zeigt, dass wir uns in den Jahren dazwischen durch unsere Erfahrungen innerlich weiter entwickelt haben.
Fragen der Absolventinnen und Absolventen an mich:
Was sind die Höhen und Tiefen eines Lebens in einem fremden Land? Die Frage hinter dieser Frage ist: passen diese Höhen und Tiefen in mein Lebenskonzept bzw. erscheinen sie mir gut oder schrecklich? Daher die Wichtigkeit zu wissen: „welche Art Leben möchte ich leben, welche Erfahrungen möchte ich machen, was möchte ich selber einbringen, welche Art Mensch möchte ich werden?“ Nur mit dieser Selbsterkenntnis können wir abschätzen, ob die Höhen und Tiefen einer bestimmten Art zu leben zu unserem eigenen Konzept passen.
Wie können wir feststellen, wo das Gleichgewicht und die Kompromisse zwischen beruflichen und privaten Interessen liegen, vor allem, wenn sie miteinander in Konflikt stehen? Eins vor allem: nur SIE können das wissen. Sie wägen die Frage “Welche Art Leben möchte ich leben” gegen die vor Ihnen liegenden Möglichkeiten ab, und Sie sehen, welche davon zu Ihrem Gesamtkonzept passen. Schauen Sie ein bisschen weiter als das Nächstliegende. Manchmal erfüllt uns kurzfristiges Unbehagen langfristige Wünsche. Diese Frage hat ein wenig zu tun mit der Entscheidung, ob ich einen schlechter bezahlten Job annehme in einer Beschäftigung, die ich liebe, oder lieber einen besser bezahlten in einer Arbeit, die mir nicht viel bedeutet. Auch hier wieder: was sind die Lebensziele? Falls interessante Arbeit und die eigene Beteiligung in einem bestimmten Bereich das Ziel ist, dann gehen Sie dorthin! Falls nicht, und wenn eher Geld für Freizeitinteressen wichtig ist, dann ist die Entscheidung klarer. Manchmal ist es gar nicht nötig, Kompromisse einzugehen, wenn man sich selbst klar genug über seine Vorstellungen ist und sich die Gelegenheiten bieten. Halten Sie die Augen auf!
Wie entscheide ich, ob ich eine akademische Laufbahn möchte oder nicht? Was folgt auf jede Entscheidung? Fragen Sie andere in Ihrem Fach oder Gebiet. Folgen Sie ihnen an ihren Arbeitstagen und, falls möglich, auch an ihren freien Tagen (“beschatten” wird dies genannt). Kein anderes Leben wird so aussehen wie Ihres, also probieren Sie es einfach aus: nehmen Sie sich frei, versuche Sie andere Wege. Sprechen Sie mit Leuten in UNTERSCHIEDLICHEN Situationen. Sie entdecken vielleicht, dass manches, was Ihnen unerlässlich erschien, überhaupt nicht wichtig ist, und anderes, von dem Ihnen nicht bewusst war, dass es von Bedeutung war, entpuppt sich als der entscheidende Faktor. Zum Beispiel halten viele Geschäftsreisen für aufregend und schick, manche empfinden sie nach Jahren so. Andere wiederum lernen schnell, dass es Zuhause doch am schönsten ist.
Wie finde ich heraus, was ich wirklich will, was mich in meiner Arbeit wirklich fasziniert?Denken Sie über diese Fragen nach. Finden Sie Vorbilder außerhalb Ihres engeren Kreises. Reden Sie mit ihnen über die Frage, wo ihre Leidenschaft herkommt.

Alles in allem ist das Planen und Erleben eines Lebens ein gewaltiges Projekt. Wenn wir eine Bestandsaufnahme unserer Wünsche machen und mit uns selbst in Kontakt bleiben in Bezug auf die Werte und Prioritäten, dann ist es wahrscheinlicher, dass diese in unserem Leben zur vollen Entfaltung kommen. Fragen Stellen ermöglicht das Finden von Antworten.

Die Studierenden fragten mich auch nach dem Umgang mit Diskriminierung in anderen Ländern. Mein bester Rat hier ist, sich auf die positiven Erlebnisse in neuen Situationen zu konzentrieren und jegliche Diskriminierung den Personen, die sich diskriminierend verhalten, zuzuschreiben und nicht sich selbst. Seien Sie das Gegenbeispiel, das lehrende Vorbild in diesen Situationen. Dazu gehört einiges an Achtsamkeit und Selbstschutz, aber es lohnt sich, alles Negative, das andere auf uns projizieren, bei ihnen zu lassen statt es anzunehmen. Die Vorstellung, die andere von uns haben, wird nur dann unsere eigene, wenn wir das zulassen. Es ist ein sehr menschlicher Mechanismus, die Einschätzung der eigenen Person durch andere zu übernehmen, aber es ist möglich, diesen Mechanismus zu verstehen und ihm gegenzusteuern.
Alles in allem ist das Planen und Erleben eines Lebens ein gewaltiges Projekt. Wenn wir eine Bestandsaufnahme unserer Wünsche machen und mit uns selbst in Kontakt bleiben in Bezug auf die Werte und Prioritäten, dann ist es wahrscheinlicher, dass diese in unserem Leben zur vollen Entfaltung kommen. Fragen Stellen ermöglicht das Finden von Antworten.

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