Gute Planung beugt schlechten Ergebnissen vor: ein warnendes Beispiel

Post in: Englisch

Kürzlich bat mich ein Masterstudent um Hilfe bei seiner Abschlussarbeit. Mit Bestürzung stellte ich fest, dass es hier – nach Jahren der Mühe und einem nur 4 Tage entfernten Abgabetermin – nicht darum ging, sein Englisch zu korrigieren oder die Rechtschreibung zu kontrollieren. Die eigentliche Aufgabe war vielmehr, seinen Text um 40 % zu kürzen! Darüber hinaus bestand der Text aus verschiedenen Teilen, die nicht miteinander in Verbindung standen. Alle Teile waren, über einen langen Zeitraum hinweg, unabhängig voneinander geschrieben worden, so dass sie nicht zusammenhingen.
Der Student hatte einen leider sehr häufigen, aber vermeidbaren Fehler begangen. Er lege mit seinem Thema und einem großen Stapel Bücher los, aber er plante seine Arbeit nicht von Anfang an durch. Stattdessen konzentrierte er sich durchgehend auf winzige Details, so dass jeder Abschnitt vollgestopft warmit  Zitaten und Verweisen, Sätzen wie „Wissenschaftler X brachte ein ähnliches Argument“ oder „Wissenschaftler Y wurde durch die Soundso-Denker-Schule beeinflusst“. Leider standen diese Abschnitte nicht miteinander oder mit dem Gesamtthema in Zusammenhang. Die einzelnen Abschnitte waren von sich selbst beeindruckt. Es war schmerzhaft, monatelange Arbeit und mühsam zusammengestellte Fußnoten zurückzuschneiden. Aber das Endprodukt dieser „Schneideraum-Diät“ war eine deutlich schlankere, klarere, freundlichere, zugänglichere und kraftvollere wissenschaftliche Arbeit.

Ich habe es früher schon gesagt und sage es noch einmal. Es gibt zwei entscheidende Fragen, wenn Sie mit einem neuen Projekt beginnen:

  • An welches Publikum richte ich mich?
  • In welchem Rahmen geschieht dies?
Ich habe es früher schon gesagt und sage es noch einmal. Es gibt zwei entscheidende Fragen, wenn Sie mit einem neuen Projekt beginnen: An welches Publikum richte ich mich? In welchem Rahmen geschieht dies?

Wenn ein Chef von seinem Mitarbeiter eine “einseitige Tischvorlage für das Projekt” verlangt und der Mitarbeiter legt eine 25-seitige Dissertation vor, hat der Mitarbieter dann 25 mal so gut gearbeitet wie verlangt? Nein, eher 25 mal schlechter!
Wenn ein Kunde eine Präsentation für Anfänger oder ein Laienpublikum bestellt, ist es denn besser mit einer Präsentation aufzuwarten, mit der man erstklassige Wissenschaftler beeindrucken könnte? Nein! Wenn er die Aufmerksamkeit der Zuhörer verliert, hat auch der Vortragende verloren.
Nach meiner letzten Vorlesung bekam ich einige Rückmeldungen, die dieses Thema betreffen. Ich lese in diesem Herbst die Einführung in die Soziologie. Über 500 Studierende besuchen diese Veranstaltung, der Hörsaal erinnert an eine Arena oder eine Konzerthalle, mit Sitzplätzen soweit das Auge reicht. Ich stelle viele Fragen, bringe viele Beispiele, ich bewege mich im Raum, ich lasse die Studierenden Fragen stellen. Ich gebe Ihnen einen Rahmen für ihre Ideen, ich nenne Namen und Gedanken, die im Laufe ihres Studiums – und ihres Lebens – immer wieder und in immer präziserer Art und Weise auftauchen werden. Ich weiß, dass es 21803funktioniert, wenn Studierende feststellen: „ich habe nie gewusst, wie aufregend Soziologie sein kann!“ oder wenn Nebenfächler mir sagen: „wie schade, dass ich nicht

Kenne dein Publikum!
Kenne den Rahmen!

 

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