Die Einzigartigkeit des deutschen Wissenschaftssystems – meine Innen- und Außenperspektive, Teil I

Post in: Englisch

Am 9. Januar 2013 habe ich einen Vortrag an der Ruhr-Universität Bochum bei der „Meet the Female Faculty: Wissenschaftlerinnen an der RUB 2013“ Veranstaltung gehalten. Hier präsentiere ich den ersten Teil meines Vortrags.

Vielen Dank für die Einladung heute hier zu sein. Durch meine eigene Forschung und meine eigenen persönlichen Erfahrungen bin ich überzeugt, dass es für Akademikerinnen äußerst wichtig ist, ab und zu zusammen zu kommen, um neue Kontakte zu knüpfen, bestehende Kontakte zu vertiefen und zu erkennen, dass viele Frauen an ihrer Universität arbeiten. Auch wenn in einzelnen Abteilungen oder Instituten nur einige weniger Frauen arbeiten, so begegnen viele von uns in der Gesamtinstitution jeden Tag Dingen, die ähnlicher Natur sind, ob es nun daran liegt, dass wir Frauen sind oder nicht.

Ich denke aber auch, dass es wichtig ist festzustellen, dass wir als Frauen keine “besonderen Wesen“ sind, die verwöhnt werden müssen oder spezielle Programme benötigen, nur weil wir sind, wer wir sind. Wir brauchen institutionelle Unterstützung – so wie dieses Forum – aufgrund der Art der Institution, in der wir arbeiten. Institutionen wie Universitäten und Arbeitsplätze aller Art wurden auf das Leben, die Werte und die Weltsicht von Männern zugeschnitten. Und auch wenn Frauen diese Ansichten und Lebensstile teilen können, wir sind nicht darauf sozialisiert oder biologisch programmiert dies unbedingt auch zu tun. Daher kommen wir zusammen, um in unseren Institutionen Räume zu finden, wo wir – unter anderem – einfach Menschen sein können, und nicht „Sonderfälle“ von „Außergewöhnlichkeit“.

Ich bin gebeten worden, heute Abend über meine persönliche Erfahrung als Postdoc im deutschen Wissenschaftssystem zu sprechen. Wahrscheinlich denkt keine von uns über das eigene Leben als etwas besonderes, da wir es von Tag zu Tag leben. Es gibt darin Höhen und Tiefen, wir durchleben sie in dem Moment, wir treffen Entscheidungen so gut wir können, und im Rückblick scheinen die Dinge, wie sie passieren, in natürlicher Folge aus unseren vorhergehenden Erfahrungen und von uns getroffenen Entscheidungen zu geschehen

Viele Menschen in Deutschland scheinen sich für meinen Lebenslauf zu interessieren – nicht weil ich als Person für sie besonders interessant erscheine, denn warum sollte ich das sein? Sondern dafür, was meine Erfahrung ihnen über das deutsche System mitteilen kann. Die Frage höre ich immer wieder: „warum sollte eine Amerikanerin – aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten – hierher kommen und dann auch noch in diesem verkorksten deutschen Universitätssystem BLEIBEN wollen?“

Und Ja, ich stimme dem zu, es gibt verkorkste Aspekte im deutschen Universitätssystem. Selbst als optimistische Amerikanerin stimmte ich dem zu. Aber es gibt auch wunderbare Aspekte im deutschen Universitätssystem. Und dies sind Aspekte, die die Deutschen nicht wahrzunehmen scheinen. Und ja, es ist tatsächlich in vielfacher Weise schwerer für eine Frau, in einer deutschen Universität erfolgreich zu sein als in einer amerikanischen. Und für mich bedeutet das: wenn es uns gelingt, unsere wissenschaftlichen Karriereziele in Deutschland zu verwirklichen, in diesem besonders chauvinistischen Land, dann haben wir wirklich etwas außerordentliches erreicht.

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