AGV-Frauenführungskräftetagung 2012: Der Einfluss von Geschlechterrollen auf Karrierewege

“Der Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen in Deutschland (AGV) ist die sozialpolitische Spitzenorganisation der deutschen Versicherungswirtschaft und führt u. a. auf Arbeitgeberseite bundesweit die Tarifverhandlungen für die rund 216.000 Beschäftigten. Der Organisationsgrad des Verbandes liegt bei 99 %, d. h. nahezu alle deutschen bzw. in Deutschland tätigen Versicherungsgesellschaften sind Mitglied des Verbandes.” — Simone Rehbronn, 17.11.2011
Der AGV hat am 27. März 2012 in Köln im Hotel im Wasserturm die Erste Frauen-Führungskräftetagung der Deutschen Assekuranz veranstaltet. Der Teilnehmerkreis bestsand aus 133 weiblichen Vorständen und weiblichen Führungskräften der F1 Ebene sowie den Personalleiterinnen der Branche. Mit der Veranstaltung verfolgte AGV vor allem das Ziel, die heute schon im Topmanagement tätigen Frauen der Branche sichtbar zu machen und ihre Vorbildfunktion für die in der Versicherungsbranche nachwachsenden Frauengenerationen zu verdeutlichen (54 % Frauen im Innendienst). AGV wünscht sich, dass die Frauen-Führungskräftetagung trägt dazu bei, bei den obersten Entscheidungsträgern in den Unternehmen Bewusstsein dafür zu schaffen, dass die Assekuranz ihr hohes Maß an weiblichem Potential unausgeschöpft lässt. In der Veranstaltung haben Vorständen, HR-Experten sowie Personalberatern aus der Versicherungsbranche diskutiert, was, trotz hoher Anzahl weiblicher Arbeitnehmer in unserer Branche, die Ursachen für den Frauenmangel im oberen Management sind. Die Teilnehmerinnen haben im Workshops konstruktive Vorschläge geliefert. Ich leitete Forum 2, “Der Einfluss von Geschlechterrollen auf Karrierewege.”

Geschlechterrollen sind gesellschaftlich zugeschriebene Aufgaben, Fähigkeiten und Vorlieben je nach Geschlecht. Wir können diese gut erkennen, wenn wir einen Satz bewusst oder unbewusst so formulieren: „Ein guter Mann soll … mag … kann …”oder „Eine gute Frau soll … mag … kann …” oder „soll nicht … kann nicht … darf nicht”. Geschlechterrollen erklären, warum wir manche Aufgaben nur Männern zuschreiben und manche nur Frauen. Zum Beispiel, in Deutschland, sind meist Frauen hauptverantwortlich für die Sorge um ihre Familie und Kinder. Deswegen unterstellen Arbeitgeber Arbeitnehmerinnen oder Bewerberinnen oft weniger Engagement oder Erfahrung, und Frauen werden oft als letzte eingestellt, als erste entlassen, schlechter bezahlt und seltener befördert sowie in Stellen mit niedrigerem Ansehen beschäftigt. Männer sind öfter als Frauen für Leitungsaufgaben vorgesehen.

Karriereprofile variieren entsprechend zwischen Männern und Frauen. Obwohl viele Ausnahmen in beide Richtungen zu finden sind, sind ideal-typische „Männerkarrieren“ durch ununterbrochene, gradlinige Karrierewege, lange Arbeitszeiten und viel Mobilität gekennzeichnet. Die Identität eines Mannes in Deutschland stammt weniger von seiner Familie und mehr aus seiner Erwerbsarbeit: „Was machen Sie beruflich?“ ist oft eine erste Kennenlernfrage.

Ideal-typische „Frauenkarrieren“ in Deutschland sind anders als bei Männern. Wegen fehlender außerfamiliärer Kinderbetreuung, falls es familiäre Verpflichtungen gibt, haben Frauen mehr Unterbrechungen als Männer und aus dem gleichen Grund arbeiten sie öfter Teilzeit oder mit kürzerer Arbeitszeit als Männer. Wenn der Mann im Haushalt Hauptverdiener ist, ist die Frau wahrscheinlich weniger beruflich mobil als er. Identität, soziale Einordnung in die Gesellschaft sind für Frauen durch Beziehungen geprägt: Frauen hören die Kennenlernfrage: „Haben Sie Kinder?“

Es gibt natürlich viele Ausnahmen, aber die Frauen in Ausnahmesituationen müssen mit dem Normalfall und den gesellschaftlichen Strukturen umgehen. Frauen, die Leitungsfunktionen bekleiden (und sozusagen eine „Männerkarriere“ haben), sind häufiger single und kinderlos als Männer in den gleichen Positionen. Als Vorbild ist dieser Zustand für viele Frauen nicht besonders ansprechend. Die nächste Generation von Frauen glaubt oft, dass sie sich “entweder / oder” entscheiden müssen: Karriere oder Kinder. Viele entscheiden sich gegen „Karriere.“ In Deutschland wird dieser Widerspruch stärker wahrgenommen als in anderen Ländern, wo die Kultur und Infrastruktur davon aus gehen, dass Mütter berufstätig sind und Leitungsaufgaben wahrnehmen (Vergleich Frankreich, USA, Skandinavien).

Die (wenigen) Frauen, die Leitungsfunktionen bekleiden oder bekleiden wollen, müssen mit einigen Besonderheiten der zugeschriebenen Geschlechterrollen zurecht kommen, mit denen ihre männlichen Kollegen nicht konfrontiert werden.
In Forum 2 der AGV-Frauenführungskräftetagung 2012 haben wir gesellschaftliche Erwartungen von Frauen in Führungspositionen diskutiert und Strategien entwickelt, wie wir damit umgehen können.

Post in: Englisch

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